Die Bedeutung analoger Fotografie im digitalen Zeitalter

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Die Bedeutung analoger Fotografie im digitalen Zeitalter

Die Zeit in der wir leben ist sehr schnelllebig geworden! Überall werden zeitaufwändige Prozesse im Ablauf optimiert. Die Industrie stellt uns gern alle Möglichkeiten in den verschiedensten Bereichen zur Verfügung um Zeit zu sparen. Dieser Trend hat in der Fotografie dafür gesorgt, dass uns die Fotoindustrie den digitalen Chip und die verschiedensten Kreativprogramme beschert hat die unser fotografisches Schaffen erleichtern sollen. Speichermedien sind geschwindigkeitsoptimiert und eine Bildrate von 14 Bildern pro Sekunde sind leider keine Seltenheit mehr. Der Megapixelwahn und der Glaube an die moderne Technik sorgen dann noch für eine ungeheure Datenflut die auf unsere Festplatten einströmt und unsere terrabitefähigen Speicher schnell übergehen lässt. Längst schon haben wir uns damit abgefunden tausende Bilddaten kritiklos auf unseren Platten abspeichern zu müssen und wir hinterfragen diesen Datenwahnsinn nicht einmal mehr.

Aber selbstverständlich hat die Datenindustrie auch hier wieder die passenden Lösungen für Probleme die wir zu analogen Zeiten nicht hatten, entwickelt. Lightroom , Bridge und Co. stellen uns wie selbstverständlich Lösungen zur Verfügung um Ordnung und Struktur in diesen Wahnsinn zu bringen den es zur analoge Zeit nicht gab. Fast hat man den Eindruck, dass wir die Technik-Geister die wir riefen nun nicht mehr los werden. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Lightroom ist ein tolles und mächtiges Werkzeug zur Organisation und Entwicklung der digitalen Bilder.

Wenngleich es auch in Lightroom und Photoshop Bearbeitungs – und Entwicklungsschritte gibt, deren Ursprung eindeutig in der analogen Fotografie liegt, so tragen diese Programmentwicklungen doch eindeutig dazu bei, im Zweifelsfall lieber zehn mal mehr auf den Auslöser zu drücken, frei nach dem Motto: „Lightroom oder Photoshop werden’s schon richten!“

Damit hier keine Missverständnisse entstehen:
Lightroom und Photoshop sind grossartige Programme die uns sicher helfen können grossartige Bilder zu perfektionieren, aber vor lauter Technik laufen wir Gefahr den Bezug zu den Ursprüngen der Fotografie zu verlieren. Fotografie, also der rein technische Aspekt war nie schwierig und sollte es auch nicht sein.
Früher gab es den manuellen Modus, also Blende und Belichtungszeit! Das war und das ist für grossartige Fotos genug!

Die grossen Fotografen aus vergangener Zeit hatten auch nichts anderes.
Für Helmut Newton, Peter Lindbergh und Andy Warhol war die Kamera einfach ein Werkzeug. Helmut Newtons „Big Nudes“ sind sicher ohne Unterstützung einer „Kreativautomatik“ entstanden. Egal mit welchem Kameramodell, sei es von Nikon, Canon, Sony, Leica oder Hasselblad, -Fotografie fand im Kopf statt, bevor man zum Werkzeug gegriffen hat.

Man musste damals nicht hunderte Seiten im Kamerahandbuch studieren um mit der Kamera umgehen zu können und war frei für das Wesentliche. Frei um eine Bildidee zu entwickeln und frei um sich um das entsprechende Licht zu kümmern und man hat sich Zeit genommen die beste Perspektive zu finden. Man hat sich mit den wichtigen Dingen guter Fotografie beschäftigt. Man hat versucht in Bildern eine Geschichte zu erzählen und vor allem hat man es geschafft mit grossartigen Bildern Emotionen zu wecken.

Heute ist das leider anders. Die Kamera mit vielen oft sehr komplizierten Menüs und Untermenüs ist heimlich still und leise zum Selbstzweck geworden und wir haben bei all den Hilfsmenüs und Programmen die Bodenhaftung für gute Fotos verloren. Wir sind so fasziniert von digitalen Nullen und Einsen dass wir ganz vergessen haben was Fotografie eigentlich sein sollte und was sie früher auch gewesen ist. Ausdruck der Seele und gehaltvoller Emotionstransport.

Kaum eines unserer heutigen Bilder schafft es von der Festplatte heraus auf Papier an die Wand um dort auch betrachtet werden zu können. Pixelgrösse, Bildgrösse, Dateigrösse und Auflösung sind weitere Hemmschwellen die uns still und heimlich suggerieren die Fotos lieber nur auf dem eigenen Computer dahinvegetieren zu lassen. Die perfekte Technik die uns umgibt ist leider allzu oft zum Selbstzweck geworden. Hier hilft nur eines um aus diesem Teufelskreis auszubrechen und das ist sich hinzusetzen und sich wieder ein wenig mit der analogen Fotografie zu beschäftigen. Die Fotografie wieder auf das Wesentliche zu reduzieren und den wunderbaren Effekt der Entschleunigung in das digitale Fotoverhalten mitzunehmen.

Dann wird in uns auch wieder der Weg frei um wunderbare digitale Bilder zu kreieren.

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